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Standin' On The Verge

 
Ich führe ein Leben am Abgrund. Seit ich mich erinnern kann, ist er da. Vor vielen Jahren habe ich einen ersten Blick hinein geworfen. Nur langsam und auf allen Vieren bin ich an seinen Rand gekrochen und habe in die Tiefe geblickt.
Undurchdringliche Schwärze hat zurück gesehen. Ich hätte Angst fühlen sollen. Angst, Entsetzen und den Wunsch, nie wieder in seine Nähe zu kommen. Stattdessen war ich fasziniert. Und seitdem sind wir Freunde. Der Abgrund und ich. Es ist eine tiefe Hassliebe, die uns verbindet. Wenn ich zu lange hinein gesehen habe, vielleicht sogar ein paar Meter hinunter gefallen bin, sehne ich mich nach dem Licht und dem Ausblick, die oben auf mich warten. Also klettere ich wieder hinauf. Manchmal geht es ganz leicht. Manchmal meine ich, wie jemand meinen Namen ruft und mich mit aller Macht vom Aufstieg abhalten will. Dann brauche ich alle Kraft, um wieder ans Tageslicht zu gelangen. Wenn ich aber zu viel Zeit im hellen Licht verbracht habe, dann wünsche ich mir dir Ruhe und Dunkelheit meines Abgrunds herbei. Denn dort kann ich völlig ich sein. Dort bin nur ich und niemand kann mich erreichen. Manchmal ist es das einzige, was ich mir wünsche.
Also führe ich ein Leben am Abgrund. Die meisten Tage tanze ich mit ausgebreiteten Armen daran entlang. Furchtlos setze ich einen Fuß vor den anderen. Ich singe, ich tanze, ich hüpfe. Manchmal falle ich, aber ich weiß, der Abgrund und ich sind Freunde. Wenn ich falle, wird er da sein und ich werde einen Platz haben, an dem ich bleiben kann.




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