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Schwarz und Blut




Ich würde gerne sagen, du hast mir das Herz gebrochen.
Oder: Du hast mir mein Herz herausgerissen.
Dann wäre es wenigstens schnell passiert.
Stattdessen hast du etwas viel schlimmeres getan. Mit einer sadistischen Ruhe hast du mir Stück für Stück mein Herz genommen. Über Wochen, Monate, Jahre hinweg. Mit einem stumpfen Messer hast du mir die Brust geöffnet und jeden Tag ein kleines Stück meines Herzens herausgeschnitten.

Am Anfang habe ich mich noch gewehrt. Habe um mich geschlafen und dich von mir gestoßen. Sobald ich aber einen Moment brauchte, um keuchend nach Luft zu schnappen, warst du wieder da, hast dein grausames Werk fortgesetzt. Erbarmungslos und mit einem kalten Lächeln im Gesicht hast du dein Messer erneut angesetzt. Und jedes Mal wurde ich ein bisschen schwächer. Bis ich mich nicht mehr wehren konnte. Unfähig mich zu bewegen lag ich am Boden und meine Welt explodierte in einem roten Schleier. Es gab nur noch den Schmerz und diese vollkommene Schwärze, die alles andere verschlang.

Ich weiß nicht, wie lange ich so gefangen war. Ich weiß nur, dass du irgendwann fort warst und nichts als ein dunkles Loch in meiner Brust zurückgelassen hast.
Wie macht man weiter, wenn der Schmerz, der so lange der treueste Begleiter war, plötzlich weg ist? Wie macht man weiter, wenn das eigene Herz nicht mehr in einem schlägt?
Ich weiß es bis heute nicht.

Nach unendlicher Zeit der Taubheit habe ich mich aufgerappelt und bin ein paar Schritte gestolpert. Mal nach rechts, mal nach links. Ich habe mir die Seele aus dem Leib geschrien. Ich wollte doch, wollte Antworten von dir. Ich wollte dir wehtun, wie du mir weh getan hast. Aber du warst fort. Auf Nimmerwiedersehen.
Als meine Stimme und mein Atem versagten, verschwand auch meine Wut und macht Platz für kalten Trotz. Du hast mich gefoltert und mich vor Schmerzen schreien lassen, bis nichts mehr von mir übrig war, als eine wimmernde Hülle. Kaltblütig hast du mich zum Sterben zurückgelassen. Aber den Gefallen werde ich dir nicht tun. Ich werde nicht sterben. Nicht jetzt.

Also suchte ich mir Nadel und Faden und verschloss das Loch in meiner Brust. Dann straffte ich meine Schultern und ging los. Ich weiß nicht, wohin dieser Weg führt oder ob er der richtige ist. Aber ich bleibe nicht an dem Ort, an dem mir dieser Schmerz widerfahren ist. Ich gehe und wachse, treffe neue Menschen. Die wenigsten wissen, was geschehen ist. Die Narbe zwickt noch oft und machmal schmerzt sie so sehr, dass ich mir wünsche, du hättest mich einfach getötet. Doch nur wer mich wirklich gut kennt, weiß dass sie da ist.

Die Narbe wird nie verschwinden. Du hast mich für den Rest meines Lebens gekennzeichnet. Aber ihre Bedeutung wird kleiner werden. Die Erinnerung an dich wird verblassen und eines Tages wirst du keine Rolle mehr spielen. Nicht in meinem Leben, nicht in meinem Kopf.

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